Papier und Nachhaltigkeit – Was ist ökologisches Drucken im Jahr 2024?

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Wir schreiben das Jahr 2024. Das heißt, sehr viele Menschen und Unternehmen versuchen, Ihr Verhalten ökologisch-nachhaltig zu gestalten. Und das ist gar nicht so einfach. Wenn es um das Drucken auf Papier oder Verpackungen geht, also um „Print“ im Business-Kontext, ist es nicht leicht, hier durchzublicken. Dabei soll dieser kurze Beitrag helfen.

Zur Orientierung schauen wir uns die bestehenden, mehr oder weniger bekannten Siegel an und bewerten diese pragmatisch.

Das bekannteste Siegel im Papier-Kontext ist FSC. Es verbrieft sogenannte nachhaltige Forstwirtschaft, also eine Balance zwischen Entnahme und Nachwachsen. Geschützte Räume wie Urwälder sollen nicht abgeholzt werden.

Abgesehen davon, dass das unserer Meinung nach zu kurz gesprungen ist und viele weitere Themen entscheidend sind, ob Print nachhaltig ist oder nicht, dazu unten gleich mehr, ist FSC ein sehr schwaches Siegel. So hat etwa Greenpeace, das FSC mitgegründet hatte, die Zusammenarbeit mit FSC bereits vor mehreren Jahren aufgekündigt. Druckereien, die Papiere als ökologisch bewerben, die lediglich FSC zertitifiziert sind, können nicht als wirklich nachhaltig gelten, auch wenn sie zusätzlich angebliche Öko- oder Biotinte einsetzen. Bei einer so chemikalien- und ressourcenintensiven Branche gehört zur Nachhaltigkeit viel mehr.

Denn was viele Menschen nicht wissen, die Rohstoffe des Recyclingpapiers bestehen zunächst nicht nur aus unterschiedlichsten Papieren. Regelmäßig sind sie daher auch eine wahre Giftmülldeponie.

Papier aus allen möglichen Quellen, verschiedenfarbig bedruckt in unterschiedlichen Druckverfahren, vom Werbebrief auf einfachem Papier bis zum Hochglanzprospekt und Plakat, glänzend oder matt, oft beschichtet, oft auch zusätzlich verschmutzt, kommt über die Altpapiersammlung zusammen und muss aufgearbeitet werden. Ein ganz wichtiger Schritt hier ist das Entfärben des Papiers, das Deinking (von Engl. Ink = Druckfarbe, Tinte). Ohne Deinking kann nur Umweltpapier entstehen, das aber für die meisten Druckanwendungen nicht weiß genug ist. Das Deinking erfordert den Einsatz einiger teils problematischer und umweltschädlicher Chemikalien. Somit muss das Deinking-Verfahren höchst nachhaltig gestaltet sein. Dies garantiert das derzeit vermutlich ökologischste Print-Siegel:

Der Blaue Engel.

Dieses Siegel verbrieft Giftfreiheit sowie 100% Recyclingpapieranteil.

Wichtig ist, dass das Zertifikat Blauer Engel die ganze Druckerei und ihre Prozesse zertifiziert. Erst nach einer solchen Zertifizierung darf die Druckerei Erzeugnisse produzieren, die ebenfalls zertifiziert sind nach Blauer Engel. Diese sind dann jeweils einzeln wiederum zu zertifizieren.

Das führt zu der verwirrenden Situation, dass es Blauer Engel zertifizierte Druckereien gibt, die aber dennoch nicht-zertifizierte (in der Regel etwas günstigere) Produkte anbieten. Kunden müssen also auf die Zertifizierung des konkreten Produktes achten! Ein Blauer Engel Symbol „im Impressum der Druckerei“ genügt also nicht.

Schließlich gibt es auch noch Cradle to Cradle Druck. Das Cradle to Cradle Konzept des Deutschen Chemikers Prof. Michael Braungart ist in vielerlei Hinsicht wegweisend für die globalen Bestrebungen zur Circular Economy. Bereits über 13.000 Produkte, von der Verpackung von Frosch-Reinigern über Bürostühle und Fenster bis hin zum ganzen Bürohaus, sind komplett nach Cradle to Cradle zertifiziert. Und auch Papiere und Druckverfahren.

Diese machen Druckerzeugnisse möglich, die theoretisch auf den Kompost geworfen werden können, dort verrotten, ohne auch nur ein Spurenelement eines Giftes in die Natur gelangen zu lassen! Das ist natürlich spektakulär.

Die Kehrseite ist, dass Cradle to Cradle Papiere in der Regel aus Frischfaser gewonnen werden und nicht aus Recyclingpapier. Was natürlich die Holzvolumina, die heute ja u.a. für das Bauen sowieso einer hohen Nachfrage unterliegen und gleichzeitig als CO2-Senke so unschätzbar wichtig sind, weiter auslastet.

Außerdem, wer wird wirklich in nennenswertem Umfang Papier auf den Kompost werfen? Für Papier gibt es Altpapiersammlungen und somit sind die Nachteile von Cradle to Cradle Papier hier ersichtlich. Man müsste es separat sammeln und zurückführen, um hier Kreisläufe wirklich zu schließen.

Neuerdings gibt es allerdings auch Kombinationsverfahren aus Blauer Engel und Cradle to Cradle, sodass auch Recyclingpapiere in Cradle to Cradle Prozesse eingesteuert werden können. Bei höheren Druckvolumina gepaart mit Euren Brandingkampagnen als wirklich nachhaltiges Unternehmen, lohnen sich solche Aufwendungen ohne Weiteres!

Die Mehrkosten sind höchst überschaubar und dafür geht Euch das nachhaltige Storytelling über Monate nicht mehr aus. Sei es für Ausschreibungen, Employer Branding oder einfach Social Media.
Und somit trennt sich hier die Spreu der wirklich nachhaltigen Druckerein schon deutlich vom Weizen. Agenturen wie be nice, die stark mit Nachhaltigkeitsthemen befasst sind, sind hier ein erster sinnvoller Ratgeber und Wegweiser. Wir können aus Erfahrung schnell sagen, wo es sich lohnt, tiefer einzusteigen und wo ein einfacher Blauer-Engel-Flyer vom digitalen Großanbieter vollkommen okay ist.

jj-ying on unsplash

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